Früher waren es vor allem Infektionskrankheiten, die die Gesundheit von Säuglingen und Kindern bedrohten. Konsequentes Impfen schon im Säuglingsalter und Einsatz moderner Medikamente haben diesen schweren Krankheiten ihren Schrecken genommen. Heute sind es vor allem Unfälle, die für Kinder eine Gefahr darstellen. Laut Statistiken hat ein Kind in Deutschland 4-5 Unfälle hinter sich gebracht bevor es 15 Jahre alt ist.
Jedes Alter hat seine Gefahren
Unfälle treten - ähnlich wie Krankheiten - bevorzugt in einem bestimmten Lebensalter auf. Die Unfallgefahr bei Kindern hängt stark von deren jeweiligem Aktionsradius ab.
- Im Säuglingsalter z.B. kommt es besonders häufig zu den gefürchteten Stürzen vom Wickeltisch oder aus dem Kinderwagen.
- Im Kleinkindalter, wenn die Mobilität zunimmt, erhöht sich die Gefahr weiter. Dann gehören vor allem Ertrinkungs- und Erstickungsnotfälle, Verbrennungen und Vergiftungen zu den häufigsten Unfällen.
- Im Schulkindalter kommt als weitere Gefahrensituation der Verkehr hinzu, weil Kinder z.B. die Geschwindigkeit von Fahrzeugen noch nicht richtig abschätzen können. Auch Sportunfälle wie Knochenbrüche oder Brustkorbverletzungen sind in diesem Alter nicht selten.

Was tun bei Atemnot und Erstickungsgefahr?
Babys und Kleinkinder sind vor allem eines: unheimlich neugierig. Und sie erkunden ihre Welt auch über den Mund. Bei dieser Gelegenheit kann es geschehen, dass die genüsslich gelutschten Kleinteile verschluckt werden und in die Atemwege oder die Speiseröhre gelangen. Am häufigsten handelt es sich dabei um Murmeln, Geldmünzen, Stiftkappen oder Perlen.
Verschluckte Gegenstände
Wenn die Gegenstände nicht zu groß sind (Richtwert: kleiner als ein 20-Cent-Stück bei einem zweijährigen Kind) ist das Verschlucken meist kein Problem. Die Eltern können - sofern sie ein Erinnerungsstück wollen - warten bis der Fremdkörper Magen und Darm passiert hat und den Körper auf natürlichem Weg verlässt. Das dauert etwa eine Woche.
Ernst wird es erst, wenn der verschluckte Gegenstand gefährliche Inhaltsstoffe enthält oder spitz ist. Denn dann können Vergiftungen bzw. Verletzungen die Folge sein. Außerdem stellen größere Gegenstände eine Gefahr dar, denn sie können in der Speiseröhre und auf dem Weg zum Magen stecken bleiben. Würgereiz, Erbrechen und Schmerzen können die Folge sein. Im schlimmsten Fall kommt es zu Verletzungen.
Erstmaßnahmen nach Verschlucken
- Bringen Sie auch in leichteren Fällen Ihr Kind zum Arzt.
- Bei größeren Gegenständen kann über eine Röntgenaufnahme geklärt werden, wo sich der Fremdkörper befindet und ob er entfernt werden muss.
Eingeatmete Fremdkörper
Hat Ihr Kind einen Gegenstand verschluckt, der die Atemwege blockiert, ist meist ein heftiger Husten die Folge. Er sorgt in der Regel dafür, dass der Fremdkörper von selbst ausgehustet werden kann. Wenn Ihr Kind ausreichend atmet und hustet, fordern Sie es auf, weiter kräftig zu husten. Wird der Gegenstand hoch gehustet, entfernen Sie ihn aus dem Mund.
Atmet das Kind nur schwach, aber regelmäßig, dann bringen Sie es in die stabile Seitenlage und verständigen Sie den Notarzt. Sorgen Sie in der Zwischenzeit dafür, dass es sich beruhigt und ruhig weiteratmet. Ist Ihr Kind nicht in der Lage zu husten, zu atmen, zu sprechen oder zu schreien, droht Ersticken und Sie sollten sofort eingreifen.
Hinweise auf Erstickungsgefahr:
- Die Atmung wird schwächer.
- Die Haut verfärbt sich bläulich.
Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Bei Säuglingen und Kleinkindern: Legen Sie das Kind auf dem Bauch über Ihren Unterarm oder Oberschenkel (Kopf nach unten). Sorgen Sie bei älteren Kindern dafür, dass sie sich stark nach vorne beugen.
- Wird allein durch diese Maßnahme kein Hustenreflex ausgelöst: Stützen Sie den Säugling mit einer Hand im Bereich der Schulter, klopfen Sie mit der anderen Hand etwa fünf Mal zwischen die Schulterblätter. Beim Kleinkind legen Sie eine Hand unter das Brustbein und schlagen zwischen die Schulterblätter.
- Ist durch diese Maßnahme kein Erfolg eingetreten, verständigen Sie umgehend den Notarzt. Bei fehlenden Atemgeräuschen fangen Sie sofort mit der Atemspende an.
Atemnot bei Pseudokrupp
Beim Pseudokrupp handelt es sich um eine meist durch Viren (seltener Bakterien) bedingte Kehlkopfentzündung mit Schleimhautschwellungen unterhalb der Stimmbänder. Oft sind Umweltfaktoren (Luftverschmutzung) und Stress als Auslöser beteiligt. Betroffen sind Kinder zwischen drei Monaten und dem fünften Lebensjahr.
Typische Symptome:
- plötzlich nachts auftretender, bellender Husten
- Heiserkeit
- pfeifende Geräusche beim Einatmen
- in schweren Fällen: deutliche Atemnot
- manchmal: bläulich verfärbte Lippen
- meist kein Fieber.
Erste Hilfe
Wichtig ist es vor allem, das Kind zu beruhigen. Meist hilft es schon, das Fenster zu öffnen und frische, kalte Luft herein zu lassen und nasse Tücher im Zimmer aufzuhängen.
Trotz all dieser Maßnahmen kann die Schwellung im Bereich des Kehlkopfes zu bedrohlicher Atemnot führen. Wenn Ihre Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht zu einer Besserung führen, sollten Sie deshalb sofort einen ärztlichen Notdienst (Telefon 112) anrufen.

Was tun bei Blutungen?
Kleinere Wunden wie z.B. Hautabschürfungen oder kleine Schnittverletzungen kommen bei Kindern häufig vor und die Blutung steht nach wenigen Minuten von selbst. Sie können an der Luft trocknen oder werden gesäubert, desinfiziert und evtl. mit einem Pflaster abgedeckt. Bei großen Wunden mit starkem Blutverlust ist dagegen Vorsicht angesagt, denn Kinder haben ein insgesamt geringeres Blutvolumen. Es kommt häufiger zu schweren Allgemeinsymptomen bis hin zum Schock.
Blutung durch Druck zum Stillstand bringen
Man kennt es selbst vom Blutabnehmen beim Arzt: Der direkte Druck auf die Wunde führt nach einiger Zeit zum Stillstand der Blutung. Das trifft in der Regel auch auf große Wunden zu. Man drückt deshalb mit einem sterilen oder sauberen Tuch auf die Wunde und legt einen Verband an. Die betroffene Körperstelle wird - wenn möglich - erhöht gelagert.
Ist die Blutung durch diese Maßnahmen nicht zum Stillstand zu bringen, muss ein weiterer Druckverband angelegt werden. Und so geht’s:
- Alten Verband nicht öffnen, sondern einen weiteren straffen Druckverband darüber legen.
- Um den Druck zu erhöhen, ein noch verpacktes Verbandspäckchen auf den Wundbereich legen und mit der Mullbinde straff umwickeln.
- Notfalls muss die zuführende Ader abgedrückt werden. Alle spritzenden Blutungen werden dabei vor der Blutungsstelle (zum Herzen hin) abgedrückt.
- Bei einer sehr großen, offenen Wunde die Blutung direkt mit einer sterilen Kompresse im Wundgebiet abdrücken.
Kommt die Blutung hierdurch nicht zum Stillstand, muss der Rettungsdienst verständigt werden. In jedem Fall muss im Anschluss an die Erste-Hilfe-Maßnahme ein Arzt aufgesucht werden, da die Wunde evtl. genäht oder geklammert werden muss.
Vorsicht: Das Abbinden der Arme und Beine ist nur bei Amputationsverletzungen oder sehr großen, unstillbaren Blutungen das Mittel der letzten Wahl. Zu groß ist die Gefahr, dass Schäden an Gefäßen und Nerven hervorgerufen werden.
Bei größeren Wunden droht ein Schock
Je nachdem, wie hoch der Blutverlust ist, kann es zu Kreislaufreaktionen wie Blutdruckabfall oder Erhöhung der Herzfrequenz bis hin zum Schock kommen. Hier handelt es sich um einen Notfall und es muss sofort ein Notarzt verständigt werden!
Anzeichen eines Schocks beim Kind:
- Das Kind kann unruhig, verwirrt, benommen oder schläfrig sein.
- Die Haut ist blassgrau, kühl und schweißig, die Lippen können blau sein.
- Der Pulsschlag ist erhöht aber nur schwach zu fühlen.
- Die Atmung kann beschleunigt sein, das Kind röchelt oder schnappt nach Luft
- Evtl. Erbrechen
- Das Kind kann bewusstlos werden.
Als Sofortmaßnahme muss das Kind in Schocklage gebracht werden (Beine werden hoch gelagert). Atmet das Kind nicht von selbst, muss es beatmet werden.
Erste Hilfe bei Nasenbluten
Die häufigste Ursache für Nasenbluten ist das Platzen kleiner Gefäße in der Nasenschleimhaut. Tritt diese Blutung bei einem Kind auf, sollte es stehen oder sitzen, aber nicht den Kopf in den Nacken legen. Denn dadurch wird der Blutdruck im Kopf erhöht und die Blutung verstärkt sich eher noch.
Auch hier hilft es, Druck auf die Wunde auszuüben. Deshalb wird die Nase des Kindes mindestens 10 Minuten mit Zeigefinger und Daumen kontinuierlich fest zugedrückt.
Eine weitere Maßnahme ist die so genannte Nasen-Tamponade. Hierfür eignet sich ganz normales Klopapier. Es wird in eine 1,5-2 Zentimeter lange, bleistiftstarke Rolle gedreht und mit Hautcreme eingefettet. Der Tampon wird in den vorderen Abschnitt der blutenden Nase eingeführt und auch hier werden die Nasenflügel fest zusammengepresst. Den Druck mindestens 10 Minuten aufrechterhalten.
Ein Eisbeutel im Nacken unterstützt die Blutstillung.

Was tun bei Verbrennungen und Verbrühungen?
In Deutschland zählen Brandverletzungen zu den häufigsten Unfallfolgen im Kindesalter. Meist trifft es Kinder bis zum 5. Lebensjahr. Und auch hier ist - wie z.B. auch bei Vergiftungen - der Haushalt der gefährlichste Ort: Denn 80 Prozent dieser Unfälle geschehen am "heimischen Herd".
Die Gefahren, die hier drohen, werden oft unterschätzt: Wasser z.B. muss nicht 100 Grad heiß sein, um die Haut zu schädigen. Bereits Temperaturen um 50 Grad reichen für eine Verbrennung aus.
Obwohl drei Viertel aller durch Hitze bedingten Schädigungen Verbrühungen sind (z.B. Wasser, Wasserdampf, Tee, Kaffee), spielen auch trockene Hitze (z.B. offenes Feuer, heiße Oberflächen), elektrischer Strom (Elektrounfälle) und Strahleneinwirkung (Sonne, Radioaktivität) eine Rolle, wenn Kinder zu Schaden kommen. Es können aber auch heiße oder giftige Dämpfe eingeatmet werden.
Besondere Gefahr droht bei großflächigen Verbrennungen, die mit Gefäßschäden einhergehen. Die Flüssigkeitsverluste aus den Blutgefäßen ins Gewebe können zusammen mit den starken Schmerzen zu einem Schock führen.
Anzeichen für Verbrennungen und Verbrühungen
Zur Beurteilung der Schwere einer Verbrennung bzw. Verbrühung gibt es zwei Kriterien:
1. Ausdehnung: Wie viel Prozent der Körperoberfläche sind von der Verbrennung betroffen? Hierzu dient die Neunerregel: Der Körper wird dabei in Regionen von jeweils neun Prozent aufgeteilt. Diese Regel ist aber nur auf Erwachsene anwendbar, leicht abgewandelt auf Kinder. Bei Säuglingen gilt als Faustregel: Die Handfläche entspricht einem Prozent der Körperoberfläche.
2. Tiefe der Schädigung: Je mehr Hautschichten betroffen sind, desto höher ist der Verbrennungsgrad. Verbrennung 1. Grades: Rötung der betroffenen Hautbezirke, starke Schmerzen, es kann zu einer Schwellung kommen. Verbrennung 2. Grades: Rötung mit Blasenbildung bzw. weißen, nässenden Wundflächen. Verbrennung 3. Grades: trockene dicke lederartige Haut, die Haut kann weißlich bis bräunlich verfärbt sein, das betroffene Gewebe ist abgestorben und dort ohne Schmerzempfindung (die Außenbezirke schmerzen dagegen sehr).
Für die Erste Hilfe gilt:
Sind weniger als zehn Prozent der Haut durch Verbrennungen ersten Grades geschädigt oder ist die Verbrennung zweiten Grades nicht größer als die Hand des Kindes, kann die Schädigung selbst behandelt werden, z.B. mit speziellen Gels (z.B. Fenestil) oder Salben. Alle anderen Verbrennungen müssen ärztlich behandelt werden.
Was tun?
- Ersticken Sie die Flammen mit Decken oder indem sie das Kind auf dem Boden wälzen bzw. löschen Sie mit Wasser.
- Die betroffene Körperstelle muss sofort gekühlt werden (unter fließendem kaltem Wasser für 15-20 Min. oder mit kühlen Kompressen). Hierzu keine Eiswürfel oder Eiswasser verwenden (Gefahr der Unterkühlung und Gewebeschädigung). Ist die verbrannte Fläche groß, achten Sie darauf, dass das Kind (vor allem das kleine Kind oder der Säugling) nicht auskühlt, z.B. indem sie es in eine warme Decke hüllen.
- Blasen nicht öffnen.
- Hausmittel wie Mehl, Puder, Butter, Öl, Salben oder Gele sind bei größeren Verbrennungen tabu, da sie die Beurteilung und Behandlung der Wunde beim Arzt erschweren.Verbrennungen nicht mit flauschigen Materialien (wie etwa Watte) abdecken, sie können mit der Wunde verkleben. Besser sind glatte Baumwolltücher oder sterile Kompressen.Kind warm halten und trösten.
Bei kleineren Verbrennungen oder Verbrühungen:
- Verbrühung: Sofort die Kleidung entfernen, um einen Hitzestau und ein "Nachbrennen" zu verhindern.
- Verbrennung: Kleidung nur entfernen, wenn sie nicht haftet, denn sonst entstehen Hautverletzungen.
- Unter fließendem kaltem Wasser 15-20 Minuten kühlen.
- Wenn keine Blasen vorhanden sind, betroffene Körperstelle nicht abdecken, sondern an der Luft heilen lassen. Ansonsten Wunde sauber abdecken.
Bei großflächigeren Verbrennungen oder Verbrühungen
- Verbrühung: Kleidung rasch entfernen!
- Verbrennung: Kleidung am Körper lassen, denn meist ist sie in die Wunde eingebrannt. Das Entfernen würde zu Hautverletzungen führen.
- Verbrannten Stellen entweder in kaltes Wasser tauchen (15-20 Minuten) oder das Kind mit den Kleidern unter die kalte Dusche stellen (nicht länger als 5 Minuten, Gefahr der Auskühlung!).
- Den betroffenen Bereich steril abdecken. Am besten eignet sich dazu ein steriles Metalline-Brandtuch. Es verklebt nicht mit der Wunde und erhält die Wärme.
- Rettungsdienst rufen!
- Vorsicht bei Verbrennungen im Gesicht: Wenn das Kind Rauch eingeatmet hat, können die Schleimhäute anschwellen, was zu Atemnot führt.
Deshalb gilt: Rettungsdienst verständigen, Brandwunden nicht abdecken, aufrechte Sitzposition (erleichtert die Atmung), regelmäßig Atmung kontrollieren.
Verbrennungen und Verbrühungen vorbeugen
- Am häufigsten ziehen sich Kinder Verbrühungen zu, wenn sie Töpfe mit heißen Speisen oder kochendem Wasser vom Herd ziehen. Bringen sie deshalb ein Sicherheitsgitter an.
- Achten Sie darauf, dass das Kind Geräte wie Wasserkocher, Bügeleisen etc. nicht am Kabel zu sich herunter ziehen kann.
- Kinder sollten nicht alleine am Wasserhahn spielen.
- Baden: Lassen Sie erst das kalte Wasser einlaufen und dann erst das warme. Bevor der Badespaß losgehen kann, sollten Sie die Temperatur mit einem Badethermometer überprüfen.
- Kontrollierten Sie nach dem Erwärmen die Temperatur von Milch oder Gläscheninhalt bevor Sie Ihr Kind füttern. Vor allem in der Mikrowelle erwärmte Nahrung kann ungleichmäßig warm sein.
- Wenn Sie ihren Säugling auf dem Arm tragen, sollten Sie nicht gleichzeitig heiße Getränke zu sich nehmen. Er könnte Ihnen durch eine unkontrollierte Bewegung die Tasse aus der Hand schlagen.
- Zündhölzer und Feuerzeuge immer kindersicher aufbewahren. Um die Sache nicht unnötig interessant zu machen, nutzt bei älteren Kindern Aufklärung mehr als Verbote.
- Kinder nicht mit brennenden Kerzen alleine lassen.
- Kinderbekleidung: Vermeiden Sie synthetische Fasern; sie können leicht entflammbar sein.
- Grillen: Gießen Sie niemals flüssige Brandbeschleuniger (Brennspiritus, Alkohol, Benzin) auf Feuerstellen. Es kommt dabei leicht zu Verpuffungen mit extrem hohen Temperaturen.

Was tun bei Elektrounfällen?
Kinder sind neugierig und sie wissen natürlich nicht, dass man in die interessante Steckdose mit den zwei Löchern nichts hineinstecken darf. Sie wissen auch nicht, dass Elektrogeräte nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen. Der Neugier und Experimentierfreude eines Kindes steht deshalb auch ein elektrisches Gerät nicht im Wege, dessen Stecker heraus gezogen wurde.
Vorbeugende Maßnahmen
Sind Kinder im Haushalt oder bekommt man oft Kinderbesuch, ist es wichtig, die Wohnung kindersicher zu machen.
- Versehen Sie alle Steckdosen mit Kindersicherungen. Dies betrifft auch dauerhaft angeschlossene Geräte wie Fernseher, Herd, Kühlschrank oder Lampen.
- Unfälle mit einem Föhn sind häufig: Er sollte deshalb nicht in der Steckdose stecken und am besten nicht frei zugänglich aufbewahrt werden.
- Überprüfen Sie regelmäßig ihre Elektroleitungen und Ihre Geräte auf Schäden.
Übrigens: Im Freien geht die größte Gefahr von Hochspannungsleitungen aus. Deshalb sollte man Drachen nur in gebührendem Abstand zu diesen Leitungen steigen lassen.
Was passiert beim Elektrounfall?
Ein starker Stromschlag wird meist durch einen menschlichen Körper ausgelöst, der in einen Stromkreis gerät. Das Ausmaß der Schädigung ist davon abhängig, wie stark der Strom ist, wie lange er auf den Körper einwirkt und welchen Verlauf der Stromfluss im Körper nimmt. Besonders gefährlich ist dieser Stromfluss für Herz und Gehirn.
Ist das Herz betroffen, kann es nämlich zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzflimmern kommen. In einem solchen Zustand kann das Herz nicht mehr regelmäßig schlagen und das Blut nicht mehr zu den lebenswichtigen Organen transportieren. Im schlimmsten Fall droht ein Herzstillstand.
Weitere Folgen können sein:
- epileptische Anfälle,
- Orientierungsstörungen,
- Erinnerungslücken,
- Schwindel,
- Bewusstlosigkeit bis hin zum
- Schock
Achtung: Herzrhythmusstörungen können auch noch Stunden nach dem Unfall auftreten. Deshalb muss auch nach einem glimpflich ausgegangenen Stromunfall ein Arzt aufgesucht werden. Das Kind wird eine Zeit zur Überwachung an einen Monitor angeschlossen und bekommt ein EKG geschrieben.
Daneben kann es zu Verbrennungen und schweren Schädigungen des Gewebes kommen. Vor allem unter den Verbrennungen der Haut an den Ein- und Austrittsstellen des Stroms, den so genannten Strommarken, können sich (auf den ersten Blick nicht sichtbare) schwere Gewebeschädigungen befinden.
Erste-Hilfe-Maßnahmen
Wichtigstes Ziel ist es den Stromkreis zu unterbrechen bzw. das Kind von der Stromquelle zu trennen ohne sich selbst zu gefährden. Hat das Kind noch Kontakt zur Stromquelle, können Sie selbst einen Stromschlag bekommen:
- Stromkreis unterbrechen: Gerät ausschalten, Stecker ziehen oder Sicherung herausschrauben.
Ist dies nicht möglich:
- Kind von der Stromquelle trennen: Hierfür einen nicht leitenden Gegenstand benutzen (z.B. einen Holzbesenstil) bzw. ein trockenes Handtuch oder einen anderen nicht leitenden Stoff um einen Körperteil schlingen und es damit wegziehen.
- Kind warm halten und beruhigen
- Notarzt verständigen
- Bewusstseinslage, Atmung und Puls mehrfach kontrollieren
- Bei Bewusstlosigkeit mit vorhandener Atmung: Kind in die stabile Seitenlage bringen. Bei Herzstillstand: sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Was tun bei Vergiftungen?
Meist wollen sie nur herausfinden, wie der interessante grüne Saft schmeckt, den Mama immer zum Spülen des Geschirrs benutzt. Oder sie wollen die bunten Bonbons kosten, die Oma morgens und abends schluckt. Der Neugier kleiner Kinder sind keine Grenzen gesetzt und der eigene Haushalt ist im Hinblick auf Vergiftungen immer noch der gefährlichste Ort.
Die Industrie hat darauf in einigen Fällen reagiert: Manchen Reinigungsmitteln werden inzwischen Bitterstoffe zugesetzt, die so übel schmecken, dass sie von Kindern sofort wieder ausgespuckt werden. Bsonders attraktiv wirken auf Kleinkinder Reinigungsmittel wie
- Geschirrspülmittel,
- Sanitärreiniger oder
- Allzweckreiniger.
Die auffallenden Flaschen mit den attraktiven farbigen Flüssigkeiten sind in jedem Haushalt zu finden und oft viel zu leicht zugänglich für Kinder. Und nicht immer ist es ganz leicht zu erkennen, dass sich das Kind vergiftet hat und vor allem womit.
Eine Vergiftung erkennen
Bei Eltern sollten die Alarmglocken klingeln, wenn das Kind von einem üblen Geschmackserlebnis erzählt oder eine leere Packung vorzeigt. Ein äußerlicher Hinweis auf eine Vergiftung können Spuren der giftigen Substanz an Mund, Gesicht und Händen sein oder stark gerötete Schleimhäute der Augen und Lippen.
Bei bestimmten Substanzen wie Alkohol, Lösungsmitteln, Kosmetika oder Tabak kann ein starker Mundgeruch einen Hinweis geben. Tabak verursacht noch dazu eine bräunliche Verfärbung des Speichels.
Weitere Zeichen einer Vergiftung:
- plötzliche Verhaltensänderung des Kindes, z.B. Müdigkeit, Erregung, Zittern, Unsicherheit beim Gehen
- Speichelfluss
- krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Kopfschmerzen, Schwindel
- Bewusstseinstrübung, Apathie, Bewusstlosigkeit
Im schlimmsten Fall drohen eine Atemstörung bis hin zum Atemstillstand, Schock und Herz-Kreislauf-Versagen.
Was tun?
- Sind noch Reste des Eingenommenen im Mund des Kindes? Versuchen Sie, diese mit einem Finger aus dem Mund zu wischen.
- Wenn der Giftstoff bekannt ist und das Kind keine Vergiftungserscheinungen zeigt: Giftnotruf: 030/1 92 40 oder Kinderarzt anrufen.
- Ansonsten: Rufen Sie ärztliche Hilfe über den Notruf 112 oder suchen Sie sofort eine Ambulanz auf. Bewahren Sie alle (vermuteten) Reste des Eingenommenen oder Erbrochenes auf und nehmen Sie alles mit zum Arzt.
- Geben Sie dem Kind nichts zu essen oder zu trinken. Vor allem Milch ist gefährlich. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist sie im Vergiftungsfall nicht nützlich, sondern bewirkt, dass das Gift schneller ins Blut aufgenommen wird.
- Kind nicht gezielt erbrechen lassen.
- Beobachten Sie Atmung und Kreislauf.
- Achtung bei Aufnahme von stark ätzenden Stoffen! Sie sind vor allem in Spülmaschinen-, Toiletten- und Haushaltsreinigern enthalten.
Hier gilt:
Lassen Sie das Kind viel trinken, um die giftige Substanz zu verdünnen (Wasser, Tee, jedoch keine kohlensäurehaltigen Getränke, keine Milch). Das Kind darf auf keinen Fall erbrechen (Verätzungsgefahr von Speiseröhre und Mund!).
Wie eine Vergiftung verhindern?
Erste-Hilfe-Medikamente: Nehmen Sie Aktivkohle und einen Entschäumer als Erste-Hilfe-Medikamente für den Vergiftungsfall in Ihre Haushaltsapotheke auf; außerdem sollte hier auch die Nummer der Giftnotrufzentrale zu finden sein. Lassen Sie sich zu den Medikamenten von Ihrem Kinderarzt oder Apotheker beraten.
- Medikamente (auch täglich mehrmals einzunehmende) gehören in ein verschließbares Hausapotheken-Schränkchen. Auch Putz-, Spül- und Waschmittel sollten verschlossen aufbewahrt werden.
- Achten Sie bei Chemikalien auf kindersichere Verschlüsse. Füllen Sie diese niemals in Lebensmittelverpackungen um.
- Bedenken Sie, dass alles, was Sie wegwerfen von Ihrem Kind im Abfalleimer oder Papierkorb gefunden werden kann.
- Machen Sie auch Ihre Handtasche kindersicher: Wenn sie vom Kind durchwühlt wird, sollte es weder Parfüm, noch Zigaretten oder Arzneimittel finden können.
- Tabak: Zigarettenstummel und -packungen auf keinen Fall offen herumliegen lassen. Schon kleinste Tabakreste können beim Kind Vergiftungen hervorrufen.
- Alkohol: Alkohol immer in verschließbaren oder für das Kind unerreichbaren Schränken aufbewahren. Schon geringe Mengen Alkohol sind für Kleinkinder sehr gefährlich.
- Giftige Pflanzen: Verzichten Sie auf giftige Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon, z.B.: Arnika, Aronstab , Bilsenkraut, rohe grüne Bohnen, Christusdorn, Dieffenbachia, Eibe, Eisenhut, Fingerhut, Goldregen, Herbstzeitlose, Kakteen (mit giftigen Stacheln), Lupine, Maiglöckchen, Narzisse, Oleander, Rizinus, Mohn, Schierling, Stechapfel, Tollkirsche, Weihnachtsstern, Wiesen-Bärenklau, Zaunrübe, grüne und unreife Kartoffeln, grüne, unreife Tomaten.
- Kosmetika wie Nagellack und -entferner, Parfüm, Haarfestiger, Körperspray, Hautpflegemittel werden häufig für Kinder leicht zugänglich aufbewahrt. Schon das Einatmen der Gase kann Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
- Minibatterien: Sie können von Kindern verschluckt werden. Hochgiftige Chemikalien (z.B. Quecksilberoxyd) können freigesetzt werden.
Hält sich das Kind regelmäßig in anderen Haushalten (Großeltern, Tagesmutter usw.) auf, so gelten die Vorsichtsmaßnahmen auch dort.

Was tun bei Krampfanfällen?
Da Krampfanfälle mit heftigen Symptomen einhergehen, wirken sie oft äußerst bedrohlich. Dabei sind sie bei Kindern gar nicht so selten: Etwa 4 Prozent erleben einen solchen Anfall einmal im Laufe ihrer Kindheit. Und man muss auch nicht sofort an eine Epilepsie-Erkrankung denken.
Am häufigsten handelt es sich um einen so genannten Gelegenheitskrampf wie den Fieberkrampf und es bleibt bei einem einmaligen Auftreten. Bei der Epilepsie-Erkrankung treten die Anfälle wiederholt auf; sie ist aber insgesamt seltener:
Betroffen sind ca. 0,8 % der Bevölkerung. Oft findet sich keine direkte Ursache, zum Teil ist eine erbliche Veranlagung der Auslöser. In diesen Fällen tritt die Epilepsie oft im Kindes- und Jugendalter auf.
Daneben können Hirnschädigungen unterschiedlichster Herkunft der Grund für die Erkrankung sein, z.B. Geburtsschäden, Infektionen des Zentralen Nervensystems, Schädel-Hirn-Verletzungen, Stoffwechselstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Gehirntumoren.
Was ist ein Krampfanfall?
Krampfanfälle entstehen, wenn sich zu der normalen elektrischen Aktivität des Gehirns eine weitere (allerdings abnorme) Aktivität aufbaut. Dies geschieht in der Regel plötzlich und ohne Vorwarnung. Manchmal kann ein Anfall auch durch äußere Reize ausgelöst werden, z.B. durch das Flimmern eines Fernsehers oder Computers. Durch die plötzlich entstehende elektrische Entladung von Nervenzellen im Gehirn werden Muskelkrämpfe ausgelöst, die zum typischen Bild eines Anfalls führen.
Wie sieht ein typischer Krampfanfall aus?
- plötzliche Bewusstlosigkeit, der Körper wird steif, Arme und Beine sind gestreckt, evtl. ist auch die Rückenmuskulatur überstreckt (tonische Phase).
- rhythmische muskuläre Entladungen in Armen und Beinen, z.B. Zuckungen, Erschlaffen der Extremitäten (klonische Phase)
- Augenverdrehen, Pupillenerweiterung, Schaum vor dem Mund
- Einnässen oder Einkoten
- Veränderungen der Atmung (Atempausen, röchelnde Atmung, bläuliche Verfärbung der Haut, bedingt durch einen Sauerstoffmangel)
- "Nachschlaf" oder "Erschöpfungsschlaf". Danach ist meist keine Erinnerung an den Anfall vorhanden; das Kind ist schläfrig und benommen.
- Bei Säuglingen und Kleinkindern können Krampfanfälle untypisch verlaufen. Dann zeigt sich der Anfall durch ein plötzliches Erschlaffen der Muskulatur und Augenverdrehen. Das Kind hat einen starren Blick und es können Atempausen auftreten (durch den Sauerstoffmangel verfärbt sich die Haut gräulich-bläulich). Oder es zeigen sich kurzfristige Verhaltensauffälligkeiten, das Kind wirkt abwesend und ist nicht ansprechbar.
Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Beruhigen Sie das Kind
- Schützen Sie es vor Verletzungen, die es sich durch die unkontrollierten Bewegungen zuziehen kann, entfernen Sie enge Kleidung.
- Versuchen Sie nicht, die zuckenden Bewegungen einzuschränken oder das Kind festzuhalten. Hierbei können Sie es verletzen.
- Es besteht die Gefahr, dass sich das Kind auf die Zunge beißt. Trotzdem: Schieben Sie keine Gegenstände zwischen die Zähne, da dies zu Zahnbrüchen führen kann.
- Treten keine Krämpfe mehr auf: Bringen Sie das Kind in die stabile Seitenlage (Kinder unter zwei Jahren in die Bauchlage).
- Verständigen Sie einen Notarzt
- Beobachten Sie weiterhin die Atmung, um evtl. eine Atemspende zu beginnen.
Wichtig: Nach einem Krampfanfall sollte das Kind unbedingt gründlich untersucht werden, um eine Hirnerkrankung als Ursache auszuschließen. Indem Sie dem Arzt Dauer und Art des Anfalls genau schildern, können Sie ihm bei der Diagnose und Behandlung helfen.
Was tun bei Fieberkrämpfen?
Fieberkrämpfe sind fast immer harmlos. Sie werden durch einen plötzlichen und schnellen Fieberanstieg ausgelöst, gehen mit Zuckungen einher und dauern meist nur wenige Minuten. Betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder (bis ca. zum 4. Lebensjahr).
Bei ungefähr 35% der Kinder, die einmal einen Fieberkrampf hatten, tritt er bei einem weiteren fieberhaften Infekt wieder auf. Deshalb werden bei solchen Kindern schon frühzeitig fiebersenkende Mittel gegeben. Bei wiederholtem Auftreten sollten außerdem den Krampfanfall unterbrechende Medikamente im Haus sein.
Spätestens beim dritten Mal wird der Arzt abklären, ob der Krampfanfall als erstes Anzeichen einer Epilepsie zu werten ist.
